Montag, 20. November 2017

Die Eremitin drückt wieder durch

Ich weiß nicht, woher das kommt, dieses "will mit niemandem reden, niemandem sehen".
Nur das Nötigste sprechen.
Handyakku leer gehen lassen und ihn nicht mehr laden. WhatsApp meiden.
Mein Rekord lag kürzlich bei 67 ungelesenen Nachrichten.
Das Festnetz klingelt. Ich guck' auf's Display, aber lass es klingeln.
Es klingelt an der Haustür, aber ich mache nicht auf.

Und irgendwann packt's mich wieder, und ich "arbeite" alles akribisch ab.
Schreibe Dinge wie: "Ja, alles okay", und "sorry, hatte viel um die Ohren", und "wie geht's DIR denn?"- letztlich bin ich ja heilfroh, dass ich liebe Leute um mich habe. Das ich sie habe. Ich möchte nur manchmal einfach nichts sagen.

K. sieht mich beim Einkaufen. "Heyyy... Ja, sag mal... Ich ruf an und ruf an und erreiche niemanden... Was ist denn los, ist alles okay?"- "Ja ja, alles okay. War nur so viel los in letzter Zeit."

"Steht unser Treffen noch? Du hast dich gar nicht mehr gemeldet!"
Sch...!! Voll vergessen.
"Äh, ja, wann sollen wir? Oder sollen wir nochmal schreiben?"
"Nein nein, das machen wir gleich aus. Nachher erwische dich nicht mehr!"

Fühl' mich irgendwie mies. Die Eremitenhaut sitzt ziemlich fest.

Freitag, 3. November 2017

Verhörer

Sprecher im Hintergrund: "Wir wollten unbedingt die Vagina erhalten."

Ich: "Was?"

Freund: "Was ist?"

Ich: "Hat der grad gesagt, er will die Vagina erhalten?"

Freund: "Ach Schatz. Die Patina."

Ich: "Ah so."


Pfff... Wie langweilig.

Schokolade zum Frühstück

Am Tisch mit der Neffen/Nichte-Schar:

"So, was wollt' ihr essen? Marmelade, Käse, Wurst...?"

"Nutellaaa!" - "Nutellaaa!" - "Nutellaaa!"

"Hm, okay, und was wollt' ihr trinken?"

Dreistimmig: "KABAAA!!"

"Ich hätte auch noch O-Saft, Apfelsaft, ..."

J.: "Ne!"

T.: "Ich will Kaba selbst reintun!"

Mama: "Aber nur zwei Löffel!!"

T. (enttäuscht): "Oooch..."


Japp, eindeutig: Der Kleine und ich sind verwandt.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Solche Tage eben

Der Wecker hat geklingelt, zweimal, dreimal, viermal. Dann das Handy. Ich hab' weiter geschlafen, bis mir der Freund auf die Schulter tippte. "Du musst los."- Ja, ich komme.

Ich gehe die Straße entlang wie in einer Traumwelt. Alles ist so weit weg. Wenn mich Passanten im vorbei gehen streifen, möchte ich schreien und um mich schlagen. Geht weg, lasst mich in Ruhe!!

Wann kann ich denn endlich wieder nach Hause?

Aber eigentlich will ich doch gar nicht nach Hause.

Was ist nur los? Meine Nervenenden "vibrieren". Sehr unangenehm. Es soll aufhören...

Mein Psychiater eröffnet mir, dass er zum Jahresende hin in Rente geht. Auch das noch.

"Kennen sie Fakire?"

"Ja?"

"Wissen sie, wie die das machen, wenn die auf den Nagelbrettern liegen? Also, das mit dem Schmerz."

"Äh, die verteilen glaube ich ihr Gewicht."

"Ja, genau. Aber weh tut es trotzdem. Schmerzfreiheit gibt's nicht, aber die halten das aus."

Aha? Ey. Keinen besseren Rat heute?

Draußen schlägt mir der Herbstwind ins Gesicht. Blätter werden vorbei gewirbelt, der Himmel zieht zu. Ach, wie passend.

Wie komme ich da wieder raus? Ich krame in meinem "Therapiewissen" herum.
Sich Gutes tun, ablenken, das Übliche.

Erst sammle ich bunte Ahornblätter im Park auf, wie ein kleines Kind. Sie sind schön, jedes Einzelne. Ich schaue sie an, habe dann aber keine Lust, sie mitzunehmen, und schmeiße sie wieder weg.

Dann kaufe ich einen langen, dicken Schal bei Tchibo. Er ist dunkelblau mit bunten Streifen. Ich wickle ihn mir um den Hals und genieße das weiche, wärmende Gefühl. Dann fahre ich nach Hause.

Da esse ich einen Butter-Spekulatius, und noch einen, und noch einen, bis das Päckchen leer ist.
Danach bastle ich einen neuen Blog zusammen, auf dem ich Naturfotografien veröffentlichen will.
Das Ergebnis gefällt mir nicht, ich drücke die Löschtaste.

Alles wieder weg, irgendwo in den Weiten des Netzes.

"Durchsuche Milliarden von Blogbeiträgen bei wordpress."

Ja, genau. Milliarden. Irgendwo dazwischen ich.

Mir ist danach, den Läppi an die Wand zu knallen. Ich schiebe ihn zur Seite und gucke, was der Schrittzähler sagt. 8890 Schritte sind es geworden. Das ist gar nicht schlecht.

Eindrücke von "Sinnlosigkeit" wechseln sich mit den kleinen Häkchen ab, mit denen ich versuche, mich an der Wirklichkeit festzukrallen.

Lächle, lächle, du kannst sie nicht alle töten, das ist nur eine Phase, eine blöde, beschissene Phase. Irgendwann wird's wieder besser, irgendwann wird's wieder schlechter, irgendwann wird's wieder besser...

"Was machst du?"

"Ach, nichts."


Solche Tage eben.

Sonntag, 8. Oktober 2017

Männerträume

"Hast du das Schlafzimmer aufgeräumt?"

"Ja, ich dachte, wenn S. nachher kommt, könnten wir noch einen flotten Dreier hinlegen."

"Ja, gut so, sie muss ja nicht gleich sehen, was wir hier für Schweinereien machen."

"Eben."

Eiei...

Mittwoch, 27. September 2017

Unentschieden

Heute beim Discounter. Was soll ich essen? Soll ich mal wieder "richtig" kochen?

Das Teufelchen auf der Schulter schreit: "Nimm das Schweinefilet! Und den Bacon!"

Engelchen: "Du wirst doch nicht! Denk an deine Hüfte! Denk an deinen Geldbeutel! Und Discounterfleisch? Hallo?? Die armen Tiere!"

Teufelchen: "Schweinefilet! Schweinefilet! Schweinefilet!"

Engelchen: "Schau mal, der Feldsalat da ist im Angebot! Den könntest du ganz raffiniert machen, so mit Pflaumen und einem guten Essig! Mmh, all die guten Vitamine, mjam!"

Ich: "Ach, weiß auch nicht."

Engelchen: *Augen verdreh*

Teufelchen: *singt* "na na na na na... SCHWEINEFILET! Na na na na na..."

Ich: "Jetzt haltet mal beide die Klappe und lasst mich in Ruhe nachdenken!"

Teufelchen: "Geil, die haben Nougatriegel!! Dahinten! Weiter links! LINKS!"

Engelchen: "Ich will ja nicht stören, aber guck mal... Da gibt's Bulgursalat! Kostet auch nur 1,49!"

Teufelchen: "Boah, und Stollenkonfekt. Da, neben den Riegeln. Ja, so ist gut! Greifen und weiter gehen. Sehr gut machst du das, braves Mädchen!

Engelchen: "Ich will ja WIRKLICH nicht stören... Aber ICH bin hier die Stimme der Vernunft..."

Ich: "Wie wär's denn mit einem Kompromiss? Ich mach' mir einfach ein belegtes Brot..."

Engelchen: "Nur Kohlenhydrate und tierische Fette? Ernsthaft?"
Teufelchen: "Nur ein Brot? Wie langweilig! Außerdem gab's das gestern schon!"
Ich: "Lasst mich ausreden. Als Beilage gibt es frisches Obst für das Engelchen und zum Nachtisch lecker Stollenkonfekt für das Teufelchen. Deal?"

Engelchen: "Ist okay!"

Teufelchen: "Damit kann ich leben."


Na endlich.

Irgendwie muss ich das "entkomplizieren". Das derzeitige Auswahlverfahren für's Essen ist nicht alltagstauglich.

Ohrwürmer des Tages





Manchmal macht sich mein Hirn einen Scherz daraus, Ohrwürmer aus der Werbung (heute war's Kinderriegel) mit Ohrwürmern, die gerade eh schon im Kopf ablaufen, zu vermischen (??). Da kommen die wildesten Sachen bei 'rüber...